Beratungszentrum und Herberge für arbeitslose Pastoren

Beratungszentrum und Herberge für arbeitslose Pastoren

Nichtsahnend gehe ich vor einiger Zeit in einem Stadtrandstadtteil von Kiel durch die Straßen – und entdecke folgendes unbelebtes Gebilde:
Ein Haus, so traurig wie sein Zweck.
Meine Gefühle sind gemischt. Es ist doch eigentlich zum Brüllen:
Arbeitslose Pastoren – davon habe ich noch nie gehört!
Dann ist auch noch die halbe Fassade mit der Benennung des Hauses beschäftigt.
Aber es ist auch tragisch:
Die Pastoren verlieren ihren Job und somit ja meist auch ihr Haus, also benötigen sie diese Herberge.
Sie brauchen die Beratungsstelle, um sich neue Perspektiven zu erschließen.

Doch das Haus steht nun leer.
Was dort passiert ist, wieso es jetzt verlassen ist und wieso man es überhaupt errichtet hat, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.

Der Witz den ich verspürt habe, bis ich mich etwas weiter mit dem Bild beschäftigte, ist verschwunden.

Trialog

Es folgt: mein erster Richtiger Eintrag in diesen Blog. In meinen Blog. Und dann handelt es sich noch nichtmal um mein eigenes Werk.
Der Text, den ich euch im Folgenden vorstellen werde, ist aus einem spontanen Triumvirat entstanden. In einer Vorlesung Mitte Mai 2013 zur Einführung in die Ältere Deutsche Literatur in der letzten Reihe in einem Hörsaal der Uni Kiel.
Die Lesart dieses Textes muss ich eben erklären:
Wir sind zu dritt: Ich, Christian und Sebastian (Reihenfolge entspricht auch Schreiberreihenfolge). Person 1 schreibt ein paar Zeilen, Person 2 schreibt ebenfalls ein paar Sätze – allerdings ohne den text der ersten Person gesehen zu haben. Wir fangen also mit zwei voneinander unabhängigen Initialgedanken an. Person 3 knüpft nun an die Gedanken von Person 1 an. Dann darf Person 1 die Fantasie von Person 2 aufgreifen und mit eigenen Worten das Thema weiterführen.
Viel Spaß beim Lesen

EinTrialog.

(Gedankenmonologe für sich selbstdurch andere)

 

1.

Wenn morgens der Tag anscheinend anfängt, macht er das nicht wirklich. Ein neuer Tag kann nur beginnen, wenn man vorher geschlafen hat. Am besten 8 Stunden. Ein Tag ist also von 8 Stunden geschlossenen Augen abhängig. Alternativ wäre es wohl auch in Ordnung über 16 Stunden nur ein Auge zuzumachen.

2.

Monolog, Dialog, Trialog? Drei Stimmen scheinen mir doch eine zuviel! Eigentlich sind auch zwei zuviel! Rede doch einfach allein mit dir. Dies scheint mir sowieso ergiebiger! Monolog beendet.

3.

Doch welche 4, 6, 8 oder gar 16 Stunden schläft man dann am besten? Nachts – und verpasst damit die Ruhe der Stadt, die verträumt dem Sternenhimmel zurückleuchtet? Tagsüber – und legt sich damit lieber der Ordnung und dem Rhythmus in den Weg? Problematisch wird’s doch eher, wenn man sich in Langeweile vor medialer Überflutung soweit in die Wogen des Bettes wagt, und am Ende aus diesem Sog nicht mehr zu flüchten vermag.

4.

Haha! Du willst einen Monolog halten? Du weckst meine Reaktion, also nix da Monolog! Wenn du das nächste mal monologisieren möchtest, dann stell dich doch bitte allein in die Ecke und nicht in meine Nähe. Aktion – Reaktion nä?! Ich meine ja nur… Ich möchte gar nicht so böse sein, aber dieses strikte Abweisen einer Kooperation bestürzt mich. Es muss doch keine okkulte Kooperationskommunikation in einem ockerfarbenem Oralkommunikationsorganisationsraum mit institutionellem Orkaaudioeinspielungen sein.

5.

Spätestens im Alter wirst du dich befreien können, aus dem Sog dieser Wogen. Bestraft mit seniler Bettflucht. Du weißt, was ich meine? Nichts kann dich mehr halten in diesem flauschigen Traum aus Daunen! So wirst du dich zurücksehnen, hoffst auf Wiederkehr dieser wunderbaren lethargischen Zeit. Zeit, die dich betäubt.

6.

Halt Moment! Du willst, dass er will, dass ihr euch…?! Und ocker farbene Kommunikations – orkas, die in okkulten Räumen – was?!

Ich glaube kaum, dass eine Unterhaltung – egal welcher Art – erzwingbar, noch komplett freiwillig abläuft, sondern eben ihren Weg findet, und erst dadurch geht.

7.

Zeit, die dich betäubt. Du meinst, in früheren Zeiten war das leben lethargischer? Aber was ist mit den alten Menschen, die lethargisch gemacht werden, die lethargisiert, völlig legitimiert, sind?! Hier, nimm morgens – nach 8 Stunden Schlaf – diese 3 Pillen. Die blaue oder die rote? Folge dem weißen Karnickel!

8.

Von Freiwilligkeit kann doch nach solch einer WortGEWALT nicht die Rede sein. Die 4 drängt mich in die Enge; ihre gewaltätigen Worte schüchtern doch eher ein. Aber du, Nummer 6, scheinst mir eher bereit, aus dem Trialog einen Dialog zu machen und diese gewalttätige 4 außen stehen zu lassen. Ich hoffe, die 4 findet nicht die 8 und schüchtert sie ein.

9.

Frühere Zeit“, meiner Ansicht nach entgegengesetzte Begriffe. Zeit ist der Verlauf, die Bewegung, Veränderung, Fortschritt (mal dahin gestellt, ob Verbesserung oder nicht). Früher als Einstellung, sieht der Dinge, ein fixer Punkt in der Zeit, unveränderbar, jedoch rekursiv betrachtbar, bewertbar. Und du erdrückst dich, diese in Bezug zu stellen?
Nur dieses Möhrenfressers wegen… lethargisch oder legitimiert – mir egal!

10.

Jawoll, die Verwirrung ist perfekt. Zahlen, Worte, Nummern, die Personen scheinen. Und es wird gestritten. Ich „die 4“, ja ich bon wohl eine Nummer, werde ausgeschlossen. Wieso?! Weil ich das hier nicht gutheißen kann? Ja, so ist es wohl. Wird ein Dialog- bzw. Trialogpartner ungemütlich, so wendet man sich ab von ihm. Aber nein, niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

 

Fortstetzung folgt